Institut für künstliche Augen
Ferdinand a. Förster

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Das künstliche Auge

Die prothetische Versorgung durch Kunstaugen (Augenprothesen) ist Bestandteil der Rehabilitation des Patienten und dient der Minderung physischer und psychischer Beeinträchtigungen, die durch den Verlust eines natürlichen Auges entstehen.

Standardversorgung stellen Kunstaugen aus Glas dar, die aufgrund ihres Materials, der Verarbeitung, der anatomischen und individuellen Anpassung sowie der Materialverträglichkeit besonders geeignet sind die medizinischen Anforderungen zu erfüllen. Allergische Reaktionen sind hier nicht bekannt.

Eine seltenere Verwendung finden Kunstaugen aus Kunststoff, die nur dann zum Einsatz kommen, wenn dies auf besonderen Wunsch des Patienten erfolgt oder wenn aufgrund von Handhabungsschwierigkeiten (z.B. bei greifbehinderten Personen) die Gefahr besteht, dass ein Kunstauge aus Glas häufig zerbrechen würde. Hierbei ist jedoch die Verträglichkeit zu beachten.

Kunstaugen aus Glas werden als doppelwandige Prothesen (Reformaugen) oder einwandige Schalenaugen (Scleralschalen) gefertigt.

Kunstaugen aus Kunststoff dagegen werden ausschließlich aus Vollmaterial hergestellt.

Querschnitt durch eine doppelwandige Augenprothese

Augenprothesen können auch der epithetischen Defektversorgung dienen oder nach Abdruck gefertigt werden. Diese Verwendungen stellen jedoch Sonderanfertigungen dar.

Weiter unterscheidet man die Gruppe der Integrationsprothesen, die bei Versorgung durch besondere Implantatarten (z.B. stift- oder pegintegrierten Implantaten) Verwendung finden.

Für die postoperative Versorgung oder nach rekonstruktiver Maßnahme in der Augenhöhle kommen Interimsprothesen, Illigschalen oder Conformer zum Einsatz. Sie werden aus medizinischen Gründen benötigt und dienen zur Vorbereitung der Augenhöhle bis zur Definitivversorgung oder werden in den verschiedenen Funktionen nach chirurgischen Eingriffen in der Augenhöhle eingesetzt.

Die Haltbarkeit einer Prothese ist abhängig von Umwelteinflüssen, den Gegebenheiten der Augenhöhle und den pathologischen Faktoren des Patienten (z.B. durch Veränderung der Augenhöhle oder bei Kindern als wachstumsbedingte Notwendigkeit). Alle Kunstaugen unterliegen einem Verschleiß an der Oberfläche, was zur Schädigung der Augenhöhle führen kann.

Die durchschnittliche Tragedauer einer Prothese von ca.1 Jahr muss in Ausnahmefällen unterschritten werden, wenn die oben erwähnten Faktoren die Tragezeit in hohem Maße beeinflussen.

Kunstaugen aus Kunststoff unterliegen einer wesentlich schnelleren Abnutzung, da dieses Material eine nachweislich weiche, leicht zu beschädigende Oberfläche besitzt. Zwar können diese Prothesen nachpoliert werden, jedoch kann auch hierbei keine Bindehautverträglichkeit garantiert werden.

 

Oberflächenveränderungen von Glas- und Kunststoffaugen.

Aufnahmen REM Primärvergrößerung 2500 x.

LINKS: ungetragene Glasoberfläche
RECHTS: Glasoberfläche nach einer Tragezeit von 1 Jahr

LINKS: Kunststoffoberfläche, ungetragen mit Schleif- und Politurspuren
RECHTS: Kunststoffoberfläche nach einer Tragezeit von 1 Jahr

Ob die Erneuerung einer Prothese notwendig ist, wird durch den behandelnden Facharzt für Augenheilkunde festgestellt.

Maßgebend sind hier der Zustand der Augenhöhle, eventuelle Beschwerden sowie die vergangene Tragezeit.

Tatsächlich kann jedoch ohne aufwendige Technik die Abnutzung der Oberfläche nicht überprüft werden.

Benetzung der Oberflächen von Augenprothesen

Glas

Kryolith-Glas besitzt eine im Gegensatz zu Kunststoff benetzbare Oberfläche, Tränenflüssigkeit überzieht das Kunstauge bei vollkommenem Lidschluss mit Feuchtigkeit. Eine wichtige Funktion um Irritationen der Bindehaut und der Lider zu vermeiden.

Kunststoff

Da Kunststoffe wasserabstoßend sind, kann es bei einem Kunstauge aus Kunststoff zu Lid- und Bindehaut Irritationen kommen. Auch sind allergische Reaktionen gegenüber Kunstaugen aus Kunststoff  bekannt.